Arm, aber undankbar
Berlin [ENA] Immer weniger Touristen kommen in die Bundeshauptstadt - im vergangenen Jahr 2,7 Prozent weniger als 2024. Man schrieb das Jahr 2003, als sich der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (von der SPD natürlich), zum großen Sprung nach vorn entschloß. Zwar lediglich mit der Klappe, aber das ist ja parteiimmanent und somit nicht weiter verwunderlich.
Schon damals ausweglos im Strudel der notorischen Geldknappheit verfangen und wahrscheinlich den unaufhaltsamen Abstieg der ehemaligen Reichshauptstadt vor Augen, erklärte er die Dysfunktionalität zum Markenzeichen und stilisierte die Armut zum Symbol eines degenerierten Schönheitsideals. „Arm, aber sexy“, sollte der Wahlspruch für Berlin werden. Für die Richtigkeit seiner Zukunftsvision spricht der anhaltende Niedergang der Stadt selbst. Wer’s dann noch bizarr mag, fühlt sich sogar davon angezogen. Über die Stadtgrenzen hinaus jedoch scheint die erhoffte sirenenhafte Anziehungskraft kläglich zu verpuffen.
Es kommen einfach immer weniger Touristen in die Stadt und die Blase um das Rote Rathaus gibt sich verwundert. Wie kann das sein? Aber wer will schon seinen Urlaub oder auch nur ein Wochenende in einer gesellschaftlichen Ruine verbringen, deren Verwalter die Auswüchse eigener Unfähigkeit als Touristenmagnet herbeiillusionieren? Tägliche Stromausfälle, dauerversagender öffentlicher Nahverkehr, Dreck in allen Ecken und auf den Straßen, die von Autos vollgestopft sind, weil die Stadt seit Jahren eine einzige Dauerbaustelle ist.
Nachts vom unwohlen Kribbeln hin und her gerissen, ob man wahlweise überfallen wird, gemessert oder bestenfalls in eine Schießerei gerät. Wem das alles zu viel werden sollte, genießt die Freiheit, an fast jeder Straßenecke etwas Stoff zur Entspannung zu erwerben. Sicherlich finden sich Hartgesottene, die auf der Suche nach einer Alternative zur Trekkingtour durch den Nepal sind. Auf die Dauer wird jedoch die Wirtschaftlichkeit des Tourismuskonzepts infrage gestellt. Dafür, genau dafür scheint’s, haben die Gründerväter der Bundesrepublik in weitblickender solidarischer Voraussicht den Länderfinanzausgleich ins Leben gerufen.




















































